Alan Greenspan: Der alte Mann und der Goldstandard

Der 83-jährige Alan Greenspan ist eine faszinierende Persönlichkeit. Er hat als Chef der Federal Reserve vielleicht mehr als jeder andere zum Niedergang des Dollars beigetragen, weil er Probleme oft durch Niedrigzinspolitik zu lösen versuchte – ähnlich wie heute sein Nachfolger Ben Bernanke. Greenspan ist außerdem dafür bekannt, in Rätseln zu sprechen. Und dafür, 1966 einen Aufsatz geschrieben zu haben, in dem er sich für den Goldstandard – also die Bindung der Geldmenge an die Goldvorräte eines Staates – ausspricht. Diese Forderung hat er schon vor drei Jahren in einem Interview wiederholt. Darin spricht er nicht mehr in Rätseln. Er sagt klipp und klar: Wir brauchen einen Goldstandard.

Damit reiht sich Alan Greenspan ein in eine Reihe interessanter Personen, die erst kürzlich einen Goldstandard gefordert haben. Weltbank-Chef Robert Zoellick war einer von ihnen. Auch Thomas Hoenig, der Präsident der Federal Reserve von Kansas City, hat sich einem Goldstandard gegenüber positiv geäußert.

Was der alte Mann in diesem Video sagt ist fast schon epochal. Man darf nicht vergessen, dass Zentralbanker eine sehr diplomatische Sprache verwenden – mehr noch vielleicht, als es Spitzenpolitiker tun. Und Greenspan rechnet in diesem Interview geradezu ab mit dem System, dem er lange Zeit gedient hat: Dem Federal-Reserve-System. Auf die Frage, ob es überhaupt eine Federal Reserve – also eine Zentralbank – brauche, sagt Greenspan:

Diese Frage ist sehr interessant. Wir haben zu diesem Zeitpunkt ein Fiatgeld, welches im Prinzip Geld ist, das von einer Regierung gedruckt wird. Und es ist in der Regel die Zentralbank dazu autorisiert, dies zu tun. Also braucht es einen Mechanismus, der die Menge an Geld, die gedruckt wird, einschränkt – entweder ein Goldstandard, eine Währungskommission oder etwas dergleichen.

(…) Es gibt viele von uns, mich eingeschlossen, die glauben, dass es uns sehr gut ging in der Zeit zwischen 1870 und 1914, als es einen internationalen Goldstandard gab.

Diese Aussagen Greenspans haben nicht zuletzt die US-Econbloggosphere in helle Aufregung versetzt, weil Greenspan in der Regel als der Mann gilt, der mitgeholfen hat, den Dollar zu zerstören. Aber Greenspan war eben schon vor seiner Zeit als Fed-Chef bekannt als der Autor eines sehr klaren Artikels zum Goldstandard: Gold und wirtschalftliche Freiheit.

Was er damals geschrieben hat, hat heute nicht an Gültigkeit verloren. Im Gegenteil: Der Inhalt hat an Brisanz wahrscheinlich zugenommen. Wenn Sie jemals nur einen Text zum Thema Goldstandard lesen, lesen Sie Greenspans Text! Ein Auszug:

Wenn Gold von den meisten oder gar allen Nationen als Tauschmittel akzeptiert wird, so begünstigt und fördert ein unbehinderter freier Goldstandard die weltweite Arbeitsteilung und internationalen Handel. Obwohl die Tauscheinheiten (Dollar, Pfund, Franc etc.) von Land zu Land unterschiedlich sind, so funktionieren die Wirtschaften der einzelnen Länder doch wie eine einheitliche Wirtschaft, sofern alle Einheiten in Gold definiert sind und es keine Behinderungen für Handel und freie Kapitalbewegungen gibt. Kredite, Zinsen und Preise verhalten sich dann in allen Ländern ähnlich. Wenn zum Beispiel die Banken in einem Land zu großzügig Kredit gewähren, so gibt es in diesem Land eine Tendenz zu fallenden Zinsen, was die Goldbesitzer veranlasst, ihr Gold zu Banken in anderen Ländern zu verlagern, wo es höhere Zinsen bringt. Dies wird unmittelbar zu einer Knappheit an Bankreserven in dem Land mit den lockeren Kreditbedingungen führen, was wiederum zu strengeren Kreditbedingungen und zu einer Rückkehr zu wettbewerbsgerechten höheren Zinsen führt.

Auf gut Deutsch: Das Chaos, in dem wir uns heute befinden, geprägt durch Inflation und ratlose Zentralbanken, die die Zinsen anheben müßten, aber nicht können, weil sie sonst den “Aufschwung” abwürgen würden – dieses Chaos wäre mit einem Goldstandard nie entstanden. Der entscheidende Absatz in Greenspans Text ist aber freilich der letzte:

Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müßte die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle von Gold ja auch tatsächlich geschah. Wenn z. B. jedermann sich entscheiden würde, all seine Bankguthaben in Silber, Kupfer oder ein anderes Gut zu tauschen und sich danach weigern würde, Schecks als Zahlung für Güter zu akzeptieren, würden Bankguthaben ihre Kaufkraft verlieren und Regierungsschulden würden kein Anspruch auf Güter mehr darstellen. Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, daß es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, daß hinter der Verteufelung des Goldes durch die Verfechter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist schlicht und ergreifend ein Mechanismus für die „versteckte” Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es schützt Eigentumsrechte. Wenn man das erst einmal begriffen hat, ist die Feindschaft der Wohlfahrtsstaatsverfechter gegen den Goldstandard nicht mehr schwer zu verstehen.

Die aktuellen Aussagen Greenspans sind also nur zu verstehen, wenn man seine Meinung von 1966 kennt. Klar, dass er dazwischen als Fed-Chef genauso gehandelt hat, wie die Fed-Chefs vor ihm und sich nicht an seine eigenen Worte gehalten hat, ist eigenartig. Wie genau sein neuerliches Eintreten für einen Goldstandard zu interpretieren ist, bleibt abzuwarten. Bisher kenne ich nur einen Erklärungsansatz. Dieser ist zwar interessant, aber höchst spekulativ.

Bix Weir, Autor des Road to Roota Letters, argumentiert, dass eine Gruppe von Goldstandardbefürwortern in Amerika heimlich an der Abschaffung des Federal-Reserve-Systems arbeitet und, dass Greenspan nicht nur einer von ihnen ist, sondern immer einer von ihnen war. In anderen Worten: Dass Greenspan den Dollar absichtlich an die Wand gefahren hat um den Goldstandard zu erzwingen. Weit hergeholt? Mit Sicherheit. Auszuschließen? Zu diesem Zeitpunkt würde ich nichts, aber auch gar nichts ausschließen.

UPDATE: Hier wird Greenspans aktuelle und vergangene Meinung zu Gold und Goldstandard ausführlich beschrieben: Greenspan’s Warning on Gold

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4 Kommentare

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Ein Trackback

  1. Von Gold erhebt sich am 25. April 2011 um 21:49

    [...] FOFOA scheint der einzige zu sein, der die Kommentare des Weltbank-Präsidenten zum Gold als “Reference-Point” verstanden hat, und sie in seine Theorie integrieren kann. Auch widerspricht die Freegold-Idee keineswegs anderen Konzepten, die zu einem neuen Goldstandard-ähnlichen System führen könnten, wie sie etwa Roadtoroota und sogar Alan Greenspan beschreiben. Ja, Alan Greenspan! [...]