in Geld

Frau Ben Ali greift sich zum Abschied 23 Prozent der Goldvorräte Tunesiens – Emir von Kuwait verschenkt Geld an Bürger um Revolten zu vermeiden

Leïla Trabelsi, die als raffgierig bekannte Gattin des geflüchteten Tunesischen Präsidenten Ben Ali, hat aus ihrer ganz persönlichen Inflationserfahrung scheinbar schnell gelernt. Sie soll kurz vor ihrer Abreise noch 1,5 Tonnen Gold (auch bekannt als Geld, das man nicht endlos vermehren und entwerten kann) außer Landes geschafft haben, berichtet Le Monde. Dem Bericht zufolge sei Frau Trabelsi in die Bank von Tunis marschiert und habe die Herausgabe des Goldes verlangt. Ihr Mann soll sich gegen die Bereicherung in letzter Minute anfänglich sogar gewehrt, die Aktion aber später unterstützt haben.

Mit ihrer Entscheidung, die Goldreserven des inflationsgeplagten Landes anzuknabbern, versetzt die Familie Ben Ali ihrem Volk noch eine letzte Demütigung. Denn die Goldreserven des Landes beliefen sich schon vor der Revolution offiziell nur auf 6,8 Tonnen. Und sind jetzt wohl um rund 23 Prozent gefallen. Das Gold, das die Familie Ben Ali sich genommen hat, ist derzeit rund 45 Millionen Euro wert. Anders gerechnet: Hätte man die 1,5 Tonnen an die rund 10 Millionen Tunesier verteilt, hätte jeder Bürger rund 150 Gramm Gold – im Wert von rund 4.500 Euro – erhalten.

Telepolis schreibt:

Der Bankdirektor wollte es ihr erst nicht geben. Dann habe Trabelsi ihren Mann angerufen, der offenbar auch erst einmal zögerte, irgendwie konnte sie sich dann offenbar doch durchsetzen und ist mit dem Gold im Wert von 45 Millionen Euro erst nach Dubai und von dort nach Saudi-Arabien geflogen, wo ihr Mann bereits Zuflucht bei den saudischen Herrschern gefunden hatte, die durch die Ereignisse in Tunesien auch um ihre Herrschaft und ihre Reichtümer zittern dürften.

Tatsächlich hat sich bisher im arabischen Raum nur der Libysche Diktator Muammar al-Gaddafi zum Umsturz in Tunesien geäußert. Er sei “schmerzhaft berührt“, sagte er. Tunesien, so scheint es, ist bisher nur der bekannteste Fall von Inflations- und Hungerunruhen. In Jordanien demonstrierten am Montag rund 3.000 Menschen gegen Inflation und Wirtschaftspolitik der Regierung. Schon im Jänner gab es in Algerien tödliche Unruhen wegen des starken Anstiegs der Preise für Grundnahrungsmittel. Und der Emir von Kuwait verteilt schon präventiv Geschenke an seine Bürger. Jeder Kuwaiti wird 1.000 Dinar erhalten (rund 2.680 Euro). Außerdem sollen alle wichtigen Lebensmittel in den kommenden 14 Monaten gratis erhältlich sein.