Die Bürger von Weissrussland waren schon vor den aktuellen Entwicklungen nicht zu beneiden. Das Land gilt als “letzte Diktatur in Europa” und ist international isoliert. Jetzt steht die 9,5-Millionen-Einwohner Republik kurz vor dem Staatsbankrott. Eine Situation, die den übrigen Europäern und auch den Amerikanern nicht völlig unbekannt sein dürfte. Wie geht die weissrussische Diktatur mit den Problemen um? Ein Drama in zehn Akten.
I.
Im Dezember wird der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko “wiedergewählt”. Fast 80 Prozent der Stimmen entfallen angeblich auf ihn. Die Opposition läuft Sturm, mehrere Gegenkandidaten werden festgenommen.
II.
Nach den Wahlen gerät Weissrussland zunehmend in eine Schieflage. Man tritt in Verhandlungen mit Russland und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG). Die EAWG besteht aus Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, und Weißrussland. Vor zwei Jahren war sogar von der Einführung einer eigenen Währungsunion für die Mitgliedsstaaten die Rede.
III.
Seit Jahresbeginn gerät der weissrussische Rubel immer stärker unter Druck und verliert gegenüber dem Dollar an Wert. Die Wirtschaft liegt danieder – mit einer Staatsquote von fast 70 Prozent kann sie auch nicht von alleine wieder auf die Beine kommen. Lukaschenko kann sich und die Wirtschaft nur mit ausländischen Kreditgebern über Wasser halten. Die Menschen beginnen, aus dem Rubel zu flüchten – alleine im März decken sie sich mit US-Dollars im Wert von 700 Millionen ein. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr haben die Weissrussen nur ungefähr doppelt soviel Dollar gekauft.
IV.
Im Februar tauchen sogar Gerüchte auf, dass Weissrussland Söldner für Libyens Diktator Gaddafi zur Verfügung stellt. Im Gegenzug soll angeblich das libysche Gold nach Weissrussland geflossen sein. Minsk dementiert.
V.
Weissrussland ist bankrott. Den Bürgern wird im April von der Zentralbank der Zugang zur einzigen Hartwährung überhaupt verwehrt: Gold. Angeblich haben die Weissrussen in den ersten Monaten des Jahres 680 Kilo Gold gekauft. Erste Gerüchte über eine Währungsabwertung tauchen auf.
VI.
Der von Russland erwartete Kredit bleibt aus. Der Kremel ist der Ansicht, Minsk würde mit dem Geld der EAWG auskommen. Die Strategie Russlands ist aber verwirrend. Während 1 Milliarde Dollar Soforthilfe verwehrt wird, stellt man Weissrussland nur Tage später einen Kredit von 7 Milliarden Dollar für ein Atomkraftwerk in Aussicht.
VII.
Die Lage eskaliert jetzt. Die offiziellen Alles-wird-gut-Meldungen aus Minsk klingen auch für EU-Bürger unangenehm vertraut. Lukaschenko versichert dem Volk per Presseaussendung, dass der Russische Kredit unterwegs sei. Dass die Lage alles andere als “katastrophal” sei. Der Ministerpräsident hätte den Diktator laut staatlicher Nachrichtenagentur darüber informiert, dass die Wirtschaftsentwicklung in Weissrussland “nachhaltig” sei: “Die Menschen arbeiten, alle Betriebe arbeiten.” Orignaltext der Agentur:
“Manche Situationen verlangten operative Eingriffe, aber die Situation sei insgesamt regulierbar, die Koordination sei in Ordnung, die Regierung treffe notwendige Verwaltungsentscheidungen, so der Ministerpräsident.”
VIII.
Trotz aller Versicherungen wertet die Zentralbank den weissrussischen Rubel um 54,4 Prozent ab – die Bevölkerung wird mit einem Schlag um mehr als die Hälfte ärmer. Das ist ein Haircut – auch wenn es nicht so genannt wird. Weil Dollar knapp werden und Gold nicht mehr verfügbar ist, kaufen die Weissrussen alles, was seinen Wert zumindest mittelfristig erhält. Waschmaschinen und Kühlschränke werden knapp, der Benzinpreis explodiert. Auch bei Babynahrung, Windeln und Shampoo kommt es jetzt zu Versorgungsengpässen.
IX.
Weissrussland soll einen Kredit aus dem “Stabilisierungsfonds” des EAWG erhalten. Wie Griechenland, muss auch Weissrussland Staatsbetriebe privatisieren, um die Gelder zu erhalten. 7,5 Milliarden an Privatisierungen für 3 Milliarden Dollar Kredit – das ist die Vorgabe Russlands.
X.
Das Drama erreicht Resteuropa. Die österreichische Telekom muss dank ihrer weissrussischen Tochterfirma Velcom hunderte Millionen Euro abschreiben.
Kein Gold, keine Dollars, keine Waschmaschinen: Was ist bloß in Weissrussland los?
I.
Im Dezember wird der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko “wiedergewählt”. Fast 80 Prozent der Stimmen entfallen angeblich auf ihn. Die Opposition läuft Sturm, mehrere Gegenkandidaten werden festgenommen.
II.
Nach den Wahlen gerät Weissrussland zunehmend in eine Schieflage. Man tritt in Verhandlungen mit Russland und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG). Die EAWG besteht aus Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, und Weißrussland. Vor zwei Jahren war sogar von der Einführung einer eigenen Währungsunion für die Mitgliedsstaaten die Rede.
III.
Seit Jahresbeginn gerät der weissrussische Rubel immer stärker unter Druck und verliert gegenüber dem Dollar an Wert. Die Wirtschaft liegt danieder – mit einer Staatsquote von fast 70 Prozent kann sie auch nicht von alleine wieder auf die Beine kommen. Lukaschenko kann sich und die Wirtschaft nur mit ausländischen Kreditgebern über Wasser halten. Die Menschen beginnen, aus dem Rubel zu flüchten – alleine im März decken sie sich mit US-Dollars im Wert von 700 Millionen ein. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr haben die Weissrussen nur ungefähr doppelt soviel Dollar gekauft.
IV.
Im Februar tauchen sogar Gerüchte auf, dass Weissrussland Söldner für Libyens Diktator Gaddafi zur Verfügung stellt. Im Gegenzug soll angeblich das libysche Gold nach Weissrussland geflossen sein. Minsk dementiert.
V.
Weissrussland ist bankrott. Den Bürgern wird im April von der Zentralbank der Zugang zur einzigen Hartwährung überhaupt verwehrt: Gold. Angeblich haben die Weissrussen in den ersten Monaten des Jahres 680 Kilo Gold gekauft. Erste Gerüchte über eine Währungsabwertung tauchen auf.
VI.
Der von Russland erwartete Kredit bleibt aus. Der Kremel ist der Ansicht, Minsk würde mit dem Geld der EAWG auskommen. Die Strategie Russlands ist aber verwirrend. Während 1 Milliarde Dollar Soforthilfe verwehrt wird, stellt man Weissrussland nur Tage später einen Kredit von 7 Milliarden Dollar für ein Atomkraftwerk in Aussicht.
VII.
Die Lage eskaliert jetzt. Die offiziellen Alles-wird-gut-Meldungen aus Minsk klingen auch für EU-Bürger unangenehm vertraut. Lukaschenko versichert dem Volk per Presseaussendung, dass der Russische Kredit unterwegs sei. Dass die Lage alles andere als “katastrophal” sei. Der Ministerpräsident hätte den Diktator laut staatlicher Nachrichtenagentur darüber informiert, dass die Wirtschaftsentwicklung in Weissrussland “nachhaltig” sei: “Die Menschen arbeiten, alle Betriebe arbeiten.” Orignaltext der Agentur:
VIII.
Trotz aller Versicherungen wertet die Zentralbank den weissrussischen Rubel um 54,4 Prozent ab – die Bevölkerung wird mit einem Schlag um mehr als die Hälfte ärmer. Das ist ein Haircut – auch wenn es nicht so genannt wird. Weil Dollar knapp werden und Gold nicht mehr verfügbar ist, kaufen die Weissrussen alles, was seinen Wert zumindest mittelfristig erhält. Waschmaschinen und Kühlschränke werden knapp, der Benzinpreis explodiert. Auch bei Babynahrung, Windeln und Shampoo kommt es jetzt zu Versorgungsengpässen.
IX.
Weissrussland soll einen Kredit aus dem “Stabilisierungsfonds” des EAWG erhalten. Wie Griechenland, muss auch Weissrussland Staatsbetriebe privatisieren, um die Gelder zu erhalten. 7,5 Milliarden an Privatisierungen für 3 Milliarden Dollar Kredit – das ist die Vorgabe Russlands.
X.
Das Drama erreicht Resteuropa. Die österreichische Telekom muss dank ihrer weissrussischen Tochterfirma Velcom hunderte Millionen Euro abschreiben.