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		<title>Abenomics: Bernankenomics mit einer Prise Harakiri</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 18:29:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[All]]></category>

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		<description><![CDATA[Gelddrucken schaffe keine Inflation, heißt es oft. Aber warum setzt Japan dann bei der Jagd nach Inflation auf Unmengen neues Geld? Shinzo Abe ist ein erfolgreicher Mann. Zumindest derzeit. Nicht nur, dass die Japaner ihn zu ihrem 90. Premierminister gewählt haben – er hat für sein Wirtschaftsprogramm sogar ein eigenes allgemein akzeptiertes Label bekommen: „Abenomics“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gelddrucken schaffe keine Inflation, heißt es oft. Aber warum setzt Japan dann bei der Jagd nach Inflation auf Unmengen neues Geld?</strong></p>
<div></div>
<p>Shinzo Abe ist ein erfolgreicher Mann. Zumindest derzeit. Nicht nur, dass die Japaner ihn zu ihrem 90. Premierminister gewählt haben – er hat für sein Wirtschaftsprogramm sogar ein eigenes allgemein akzeptiertes Label bekommen: „Abenomics“ – macht was her, oder?<span id="more-1525"></span></p>
<p>Die Medien haben das Kunstwort sofort übernommen, direkt aus der PR-Vorlage der japanischen Regierung. Und Abe geht so in die ökonomischen Geschichtsbücher ein. Ein genialer Schachzug, zugegeben.</p>
<p>Die Regierung in Tokio hätte sich auch hinstellen können und sagen: „Wir versuchen jetzt genau dasselbe wie die USA seit fünf Jahren – aber wir gehen es noch brutaler an, geradezu rücksichtslos. Nichts wird uns stoppen.“ Hätte sie sagen können – aber hätte es sich auch so toll vermarkten lassen? Wahrscheinlich eher nicht.</p>
<p>Beginnen wir von vorn. Japan ist seit geraumer Zeit in der Deflation gefangen – und weil bisher nichts dagegen geholfen hat, stecken die Deflationserwartungen tief in den Knochen der (rapide alternden) japanischen Gesellschaft. Deswegen sitzen die Japaner lieber auf ihren Yen, anstatt sie für Konsum auszugeben. Abe will das ändern. Dazu stellt er – im übertragenen Sinn – eine riesige Yen-Notenpresse in die Mitte von Tokio und sagt zu seinen Landsleuten: „Bedient euch! Aber gebt es aus, das Geld. Kauft Zeug, erhöht die Nachfrage, vergesst die Deflation, it&#8217;s inflationtime, baby!“</p>
<p>Ökonomisch funktioniert das – leicht vereinfacht dargestellt – so: Die Notenbank druckt Geld – dann druckt sie noch mehr Geld, dann kauft sie mit dem frischen Geld Staatsanleihen und sonst auch praktisch alles, was sie bekommen kann. Dann druckt sie weiter Geld und beginnt von vorn. Die Regierung nimmt derweil das frische Geld von der Notenbank und baut viele, viele Straßen und solches Zeug. So gelangt das Geld „in die Wirtschaft“. Das Defizit wird 2013 deshalb um zwei Prozent ansteigen (auf 11,5 Prozent) – aber hey, wenn&#8217;s der Deflationsbekämpfung dient.</p>
<p>Abenomics sind also eine Art Brutalokeynesianismus (Bernankenomics?) mit einer Prise Harakiri. Was aber bisher niemandem aufzufallen scheint: Im Westen (vornehmlich in den USA) wird ständig betont, die brutale Ausweitung der Basisgeldmenge schaffe keine Inflation. In Japan wird die Basisgeldmenge ausgeweitet – mit einem expliziten Ziel: Inflation! Schon ein bisschen verwirrend.</p>
<p>Und damit nicht genug der Widersprüche. Mitschuld an der Deflation war einst die Erhöhung der Konsumsteuer von drei auf fünf Prozent, weil das die Nachfrage beschädigt hat. Und jetzt raten Sie einmal, was die japanische Regierung bis 2015 machen will, damit sie ihre eigenen Ausgaben finanzieren kann (die die Nachfrage anregen sollen). Genau: Die Konsumsteuer auf zehn Prozent anheben. Abenomics!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>E-Mails an: <a title="nikolaus.jilch@diepresse.com" href="mailto:nikolaus.jilch@diepresse.com"><strong>nikolaus.jilch</strong><strong>@diepresse.com</strong></a></p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 11.05.2013)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.jilnik.com%2F2013%2F05%2Fabenomics-bernankenomics-mit-einer-prise-harakiri%2F&amp;title=Abenomics%3A%20Bernankenomics%20mit%20einer%20Prise%20Harakiri" id="wpa2a_2"><img src="http://www.jilnik.com/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>EZB vor Zinssitzung: Da geht noch was, oder?</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 18:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>

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		<description><![CDATA[Egal, ob die EZB am Donnerstag die Zinsen senkt oder nicht, fest steht: Mario Draghi kann es nicht allen recht machen. Denn Deutschland hätte gerne höhere Zinsen. Und die wird es garantiert nicht geben. [Wien] Mario Draghi ist kaum zu beneiden. Als er Ende 2011 dem Franzosen Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Egal, ob die EZB am Donnerstag die Zinsen senkt oder nicht, fest steht: Mario Draghi kann es nicht allen recht machen. Denn Deutschland hätte gerne höhere Zinsen. Und die wird es garantiert nicht geben.</strong></p>
<div>
<p><strong>[Wien]</strong> Mario Draghi ist kaum zu beneiden. Als er Ende 2011 dem Franzosen Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank nachfolgte, nahm der ehemalige Notenbank-Chef Italiens immerhin eine 50-prozentige Gehaltskürzung in Kauf (von rund 760.000 auf rund 370.000 Euro pro Jahr). Und wofür? Draghis Bilanz kann sich zwar durchaus sehen lassen &#8211; immerhin darf er von sich behaupten, den Euro erstmal „gerettet&#8221; zu haben. Aber Dank darf er sich nicht erwarten. Der EZB-Chef kann es nicht allen recht machen &#8211; das ist sozusagen Teil des Jobs.</p>
<p><span id="more-1523"></span></p>
<p>Diese Regel wird sich am Donnerstag wieder bestätigen. Und zwar egal, ob Draghi und sein Direktorium die Zinsen senken (wie einige Experten erwarten) &#8211; oder ob sie die Zinsen auf dem aktuellen Rekordtief von 0,75 Prozent belassen (wie es andere Experten erwarten). Beschwerden wird es garantiert geben. Nur eines gilt als sicher: Zinserhöhungen sind keine zu erwarten (da sind sich ausnahmsweise alle Experten einig).<br />
Es hat schon seinen Grund, warum Draghi und andere EZB-Notenbanker immer und immer wieder darauf hinweisen, dass Geldpolitik kein Allheilmittel sein kann. Dass die Staaten in der Verantwortung seien, Reformen anzugehen. Dass die EZB nur auf die Preisstabilität zu achten hat &#8211; und auf sonst nicht viel. Und dass sie bei ihrer Arbeit völlig unabhängig bleiben muss &#8211; egal, wie groß der Druck der Politik wird.</p>
<p>Es ist nämlich so: Die EZB ist „im Kleinen&#8221; mit den „großen Problemen&#8221; der ganzen Welt konfrontiert. Konkret: mit den unterschiedlichen Bedürfnissen robuster Volkswirtschaften wie Deutschland und maroder Staaten wie Griechenland. Noch konkreter: Deutschland steht noch niedrigeren EZB-Zinsen im Wege. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vergangene Woche sogar angemerkt, dass ihr Land eher höhere Zinsen benötige. Man muss wissen: Deutsche Politiker kommentieren normalerweise die Politik der Notenbank nicht. Sie sind die Autorität der Bundesbank gewohnt.</p>
<h2>Druck auf die EZB</h2>
<p>Deswegen ist so ein Wort Merkels auch hundertmal gewichtiger als der siebzehnte französische Minister von links, der wieder einmal billigeres Geld fordert. Allerdings: Die europäischen „Weichwährungsländer&#8221; stellen im EZB-Rat die Mehrheit (auch weil oft unklar ist, wo zum Beispiel die Oesterreichische Nationalbank steht). Und sie sind nicht alleine. Auch international wächst der Druck auf Deutschland. So lässt auch IWF-Chefin Christine Lagarde keine Gelegenheit aus, um von Deutschland und der EZB „mehr Bewegung&#8221; zu verlangen.</p>
<p>Als einzige wichtige Zentralbank wehrt sich die EZB bisher gegen die totale Nullzinspolitik und allzu ausgefallene Notfallprogramme zur Finanzierung staatlicher Defizite (Stichwort: Quantitative Easing). Aber tatsächlich sieht es so aus, als stünden die Zeichen in dieser Woche auf einem Erfolg der „Weichwährungsfraktion&#8221;. Die Börsen scheinen eine Zinssenkung vorwegzunehmen: sie steigen. Auch der geldpolitisch sensible Goldpreis legt wieder zu.<br />
Ein Placeboeffekt oder Zeichen nachhaltiger Erholung? Bedeutet ein EZB-Zinsschritt nach unten: Ende gut, alles gut? Die meisten Experten erwarten einen solchen allerspätestens im Juni. Hier sind die entscheidenden Punkte:</p>
<p>? Stimmungen und Experten können irren. Eine ähnliche Debatte rund um den EZB-Leitzins gab es schon vor einigen Monaten. Schon da hieß es vonseiten der „Marktexperten&#8221;, dass eine Zinssenkung zu erwarten sei. Und was machten Draghi und Co.? Gar nichts machten sie. Mit gutem Grund.</p>
<p>? Denn &#8211; und das ist ein entscheidender Punkt &#8211; die EZB kann so eine Zinssenkung noch genau zweimal einsetzen, dann hat sie ihren viel zitierten „Spielraum&#8221; verspielt. Senkt sie den Zins am Donnerstag auf 0,50 Prozent, bleibt der Euro-Notenbank nur noch ein Schritt nach unten: auf 0,25 Prozent &#8211; das Niveau der US-Notenbank Fed. Die historisch einmaligen Fed-Zinssenkungen auf quasi null Prozent kamen nach dem Kollaps von Lehman Brothers zur Bekämpfung der „größten Krise seit den 1930ern&#8221; &#8211; die EZB steht heute nicht vor einem derartigen Abgrund.</p>
<p>? Die Lage in Europa hat sich sogar entspannt. Weder droht Spanien und Italien die „Rote Karte&#8221; vom Bondmarkt &#8211; noch steht ein Euroaustritt Griechenlands oder Zyperns bevor. Irland und Portugal melden sogar verhaltene Erfolge. Und Merkels Bemerkung zeigt, dass der Euro aus Sicht der (wichtigen) Deutschen nicht nur aus Philosophiegründen „hart&#8221; bleiben muss. Auch, weil die deutsche Wirtschaft sonst zu überhitzen droht.</p>
<p>? Fazit: Wenn die „Experten&#8221; und die „Stimmung&#8221; recht behalten, wird es zu einer kleinen Zinssenkung kommen &#8211; entweder am Donnerstag oder im Juni. Es sind noch zwei Schritte bis auf Fed-Niveau. Da geht noch was, oder? Aber: Genauso gut könnte die EZB die Märkte auf die Folter spannen &#8211; und sich einfach gar nicht bewegen. Das wäre ein Zugeständnis an Deutschland &#8211; aber sicherlich kein „Kniefall&#8221;. Was Merkel wirklich will, kann Draghi ihr nicht geben: Zinserhöhung ausgeschlossen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe vom 30.4.2013)</p>
</div>
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		<title>Frankreich verzweifelt am „Austeritätsdogma“</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 18:27:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>

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		<description><![CDATA[Paris verfehlt sein Defizitziel, bekommt von der EU mehr Zeit und die sozialistische Regierung versucht, einen Triumph herbeizureden: Dies sei „eine Wende in Europa“, so Finanzminister Moscovici. Nicht alle sehen das so. Wien. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici ist begeistert. Dass die EU-Kommission Paris mehr Zeit zur Haushaltssanierung geben wolle, sei das Ende des „Austeriträtsdogmas“, sagte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Paris verfehlt sein Defizitziel, bekommt von der EU mehr Zeit und die sozialistische Regierung versucht, einen Triumph herbeizureden: Dies sei „eine Wende in Europa“, so Finanzminister Moscovici. Nicht alle sehen das so.</strong></p>
<div>
<p><strong>Wien</strong>. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici ist begeistert. Dass die EU-Kommission Paris mehr Zeit zur Haushaltssanierung geben wolle, sei das Ende des „Austeriträtsdogmas“, sagte er am Wochenende einem großen französischen Radiosender. Mehr noch: „Dies ist entscheidend, dies ist eine Wende in der Geschichte des europäischen Projekts seit der Einführung des Euro.“<br />
<span id="more-1521"></span><br />
Fragt sich nur, wer da eigentlich sprach. War es Moscovici, der ehemalige Kommunist? Oder Moscovizi, der pragmatische Sozialist, der auch von links für seine Politik angefeindet wird? War es Moscovici, der Europäer und Reformer, der ganz genau weiß, dass Frankreichs Arbeitsmarkt weiter liberalisiert werden muss? Oder der Innenpolitiker Moscovici, der lautstark gegen Privatisierungen poltert und vor allem eines fürchten muss: den Zorn der Wähler?</p>
<p>Vieles spricht dafür, dass da Moscovici, der Innenpolitiker, sprach, der sich ein wenig Luft verschaffen wollte. Denn von „einer Wende in der Geschichte des Europäischen Projekts“ kann wohl wirklich keine Rede sein.<br />
Viel mehr ist die Tatsache, dass die EU-Kommission Frankreich nun doch bis 2015 Zeit geben will, um das Defizit auf drei Prozent zu reduzieren, vor allem eines: ein Beweis für das Versagen einer Regierung, die ihre eigenen Ziele nicht erfüllt. Ein Versagen, das der Finanzminister zu verantworten hat – mehr noch als sein Chef François Hollande, der (nach aktuellen Umfragewerten) derzeit der unbeliebteste Präsident der Fünften Französischen Republik ist. Frankreich ist freilich nicht allein: Spanien soll noch mehr Zeit bekommen (bis 2016). Aber Madrid hat im Gegensatz zu Paris auch mit einer handfesten Rezession zu kämpfen.</p>
<p>Laut der neuesten Prognose der EU-Kommission erholen sich EU und Euroraum langsamer als erwartet. Für 2013 geht Brüssel von einem Rückgang des BIPs um 0,4 Prozent in der Eurozone und 0,1 Prozent in der EU27 aus. Für 2014 erwartet man dann ein Eurozonenwachstum von 1,2 Prozent (1,4 in der gesamten EU).</p>
<h2>„Orthodox neoliberale EU“</h2>
<p>Dass der Kurs der Haushaltskonsolidierung angesichts dieser Zahlen nicht zur Verhandlung steht, ließ auch EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn die Franzosen wissen. Dieser werde lediglich verlangsamt – auch weil die bisherigen (kleinen) Erfolge der Finanzpolitik der Eurostaaten ein Plus an Glaubwürdigkeit beschert hätten. Pierre Moscovici sammelt zwar gern Linkspopulismus-Punkte, indem er die „orthodox neoliberale“ EU-Kommission kritisiert – am Ende wird er sich aber beugen müssen. Das wird ihm auch sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble bestätigen können, wenn beide sich heute, Dienstag, in Begleitung ihrer Notenbankchefs in Berlin zum deutsch-französischen Wirtschaftsrat treffen.</p>
<p>Schäuble (der die Pariser Regierung in der Öffentlichkeit unterstützt) steht unter Druck der Hardliner in der eigenen Partei sowie der FDP, die den Sozialisten in Frankreich die Daumenschrauben anlegen wollen. Außerdem steht die Bundesrepublik im Wahljahr keineswegs perfekt da. Die EU erwartet für heuer nur ein Miniwachstum von 0,4 Prozent. Auch Berlin müsse „seine Hausaufgaben machen“, sagte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso der „Welt am Sonntag“: „Selbstzufriedenheit wäre gefährlich für Deutschland.“ In bestimmten Bereichen (etwa bei Dienstleistungen und Infrastruktur) müsse auch die Konjunkturlokomotive der Eurozone „sich stärker öffnen als bisher“.</p>
<p>Neben der relativen Stärke seines Landes hat Schäuble aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Kollegen in Paris. Konservative Politiker können sich glaubhafter für einen Konsolidierungskurs starkmachen als Sozialdemokraten (wie SPD-Mann Peer Steinbrück) oder gar Sozialisten (wie Moscovici und Hollande).</p>
<h2>Ab morgen muss er wieder sparen</h2>
<p>Die Regierung in Paris war mit einem klassisch linken Programm ins Amt gewählt worden: mehr Jobs vom Staat, mehr Wohlfahrt, höhere Steuern. Den letzten Teil hat Hollande zwar teilweise umgesetzt, ist aber mit seinem Projekt der 75-prozentigen Einkommensteuer bis jetzt gescheitert. Für die übrigen Versprechungen fehlt schlicht das Geld. Daher auch der „Kampf gegen die Austerität“.</p>
<p>Solange aber das EZB-Mandat unangetastet und Eurobonds ein Wunschtraum bleiben, wird jede Euroregierung (in Paris oder anderswo) sich mit der neuen Realität abfinden müssen: Die EZB schert sich nur um den Erhalt des Euro und niedrige Inflation (beides klappt derzeit) – nicht um Politikerbegehren. Mag sein, dass Moscovici gestern das Wort „Austerität“ begraben durfte – aber ab heute muss er trotzdem wieder sparen.</p>
</div>
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		</item>
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		<title>Matter Glanz: Chancen und Risken bei Silber</title>
		<link>http://www.jilnik.com/2013/05/matter-glanz-chancen-und-risken-bei-silber/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 18:26:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Silber]]></category>

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		<description><![CDATA[Silber ist kein Gold, das muss man wissen. Die „Papiergeldskepsis“ hilft dem Silber zwar, aber es bleibt ein Industrierohstoff, kein Geld. Die (vermeintliche) Sicherheit von Gold bietet Silber nicht. Wien. „Goldene Zeiten“, der „Goldene Schnitt“, die „Goldmedaille“: Die tiefe Faszination der Menschen von dem gelb glänzenden Metall hat dem Gold nicht nur in der deutschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Silber ist kein Gold, das muss man wissen. Die „Papiergeldskepsis“ hilft dem Silber zwar, aber es bleibt ein Industrierohstoff, kein Geld. Die (vermeintliche) Sicherheit von Gold bietet Silber nicht.</strong></p>
<div>
<p><strong>Wien.</strong> „Goldene Zeiten“, der „Goldene Schnitt“, die „Goldmedaille“: Die tiefe Faszination der Menschen von dem gelb glänzenden Metall hat dem Gold nicht nur in der deutschen Sprache eine schier ewige Sonderstellung verschafft. Und Silber? Der „kleine Bruder“ kommt immer auf Platz zwei – nicht nur bei Sportveranstaltungen. Der Zweikampf um die Rolle des besseren „Geldmetalls“ ist längst entschieden. Und Gold hat gewonnen. Auch wenn man freilich nie ausschließen kann, dass „der Markt“ (also „die Menschen“) es sich plötzlich anders überlegt.</p>
<p><span id="more-1519"></span></p>
<p>Nach heftigen Rückgängen der Gold- und Silberpreise wurden Metallhändler jedenfalls weltweit gestürmt. Von Südafrika bis Europa, von Amerika bis Australien, China und Dubai dasselbe Bild: Überall vermeldeten Händler den fünf- bis zwanzigfachen Umsatz. Silber spielt eine wichtige Rolle, sowohl die US Mint (Hersteller der „Silver Eagles“) als auch die Münze Österreich („Silber-Philharmoniker“) produzieren derzeit am Limit – es kommt zu Lieferschwierigkeiten. Die explodierende Nachfrage ist vor allem bemerkenswert, weil in Europa teils heftige Steuern beim Silberkauf anfallen. In Deutschland sind es bei Münzen (noch) 7,5 Prozent – in Österreich gar 20. Eigentlich sind derart stark besteuerte Metalle als physisches Investment eher ungeeignet. Auf Gold fallen keine Steuern an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Industrie wichtigster Faktor</h2>
<p>Die wahre „Gefahr“ beim Silber liegt aber in seinem Stiefkinddasein. In der Investmentwelt wird das Metall kaum beachtet, ein paar wenige einflussreiche Stimmen können daher den Preis bewegen. Viel zu oft wird Silber als das „Gold des kleinen Mannes“ angepriesen. Diese Sicht ist aber irreführend.</p>
<p>Silber ist ein Rohstoff– wie Öl oder Holz. Ein Rohstoff wird verbraucht. Gold wird kaum verbraucht, und jährlich werden mehr als 2000 Tonnen Gold aus industriellen Anwendungen zurückgewonnen (Recycling). Beim Silber zahlt sich Recycling (noch) nicht wirklich aus. Der mit Abstand größte Faktor für die Silbernachfrage ist die Industrie (rund 70 Prozent). Das ist keinesfalls ein Argument gegen Silber als Investment – der „kleine Bruder“ stellt aber keineswegs eine Alternative zum Gold im Sinne eines Schutzes vor Unsicherheiten im Geldsystem dar. Zumindest bisher. Theoretisch wäre es möglich, dass die Nachfrage nach Silbermünzen so stark steigt, dass aus dem „Industriemetall“ wieder „Geldmetall“ wird – vorausgesetzt, die Industrie findet Alternativen.</p>
<p>Zum aktuellen Zeitpunkt weist aber nichts auf eine Rückkehr des Silbers ins Geldsystem hin (anders als beim Gold, das in Wahrheit die letzten „stillen Reserven“ des überschuldeten Westens darstellt). Die Münznachfrage zieht seit 2008 zwar dramatisch an– und ein Ende dieses Trends im Fahrwasser von Gold ist nicht in Sicht. Die fundamentale Angebot-Nachfrage-Situation beim Silber wird aber weiterhin von der Industrie gelenkt.</p>
<p>Es gibt mehr als 10.000 verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Silber: in der Medizin, der Verteidigung (Raketen) und der Energieversorgung. So braucht die Herstellung von Fotovoltaik-Zellen viel Silber. Ebenso die Herstellung konventioneller Filme für Kameras. Beide Sektoren stehen aber vor großen Problemen: Die durch staatliche Subventionen aufgeblasene „Solar-Bubble“ ist gerade am Platzen, und der weltweite Siegeszug der Digitalkameras hat den klassischen Film weit verdrängt.</p>
<p>Zwei Dinge stehen außer Frage: Den hochtrabenden Versprechungen einiger „Experten“ von einem Silberpreis, der „50-mal so stark steigt wie Gold“, sollte man nicht auf den Leim gehen. Wer aber nach einem kleinen „Hedge-Zaun“ für seine Goldreserven sucht, kann freilich Silber physisch erwerben. Die (vermeintliche) Sicherheit, die Gold bietet– die bietet Silber nicht. Noch nicht einmal vermeintlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>„Wetten“ kann man mit „Papier“</h2>
<p>Aber: Eine „Wette“ auf Silber als Rohstoff ist auf der Basis guter Informationen sicherlich eine Möglichkeit. Und zwar in beide Preisrichtungen. In diesem Fall sind hoch besteuerte Münzen und Barren aber kein tauglicher Weg. Stattdessen kann man Silber wie Wertpapiere in Form von Terminkontrakten und ETFs handeln. Exchange Traded Funds bilden den Preis eines Rohstoffs ab und sind „leicht zugänglich“ – vom Tradingterminal am Hauscomputer.</p>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.jilnik.com%2F2013%2F05%2Fmatter-glanz-chancen-und-risken-bei-silber%2F&amp;title=Matter%20Glanz%3A%20Chancen%20und%20Risken%20bei%20Silber" id="wpa2a_8"><img src="http://www.jilnik.com/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Taghizadegan: &#8220;Je mehr Ökonomen, desto schlechter&#8221;</title>
		<link>http://www.jilnik.com/2013/05/taghizadegan-je-mehr-okonomen-desto-schlechter/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 18:24:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[All]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jilnik.com/?p=1517</guid>
		<description><![CDATA[Die &#8220;Experimente der Volkswirte&#8221; hätten unglaublichen Schaden angerichtet, sagt Philosoph Rahim Taghizadegan. Die Krise sei erst vorbei, wenn die Menschen erkennen, dass sie nicht so wohlhabend sind, wie sie glauben. Interview, geführt mit Matthias Auer Wir sind im Jahr fünf der Krise. Ein klarer Weg hinaus ist nicht in Sicht. Wie kann es sein, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die &#8220;Experimente der Volkswirte&#8221; hätten unglaublichen Schaden angerichtet, sagt Philosoph Rahim Taghizadegan. Die Krise sei erst vorbei, wenn die Menschen erkennen, dass sie nicht so wohlhabend sind, wie sie glauben.</strong></p>
<p>Interview, geführt mit Matthias Auer</p>
<div>
<p><strong>Wir sind im Jahr fünf der Krise. Ein klarer Weg hinaus ist nicht in Sicht. Wie kann es sein, dass sich die Ökonomen nach hunderten Jahren Streiterei noch nicht einig sind?</strong></p>
<p>Rahim Taghizadegan: Die Ökonomie ist von Ideologie durchdrungen. Gleichzeitig hat sie die fundamentalsten Auswirkungen auf Einkommen und Strukturen in der Gesellschaft. Entsprechend groß sind die Interessen. Einer der größten Irrwege der vergangenen 100 Jahre ist aber der Eifer der Ökonomen, die Prognosefähigkeit der Naturwissenschaften zu erreichen. Dieser Versuch muss scheitern.</p>
<p><span id="more-1517"></span></p>
<p><strong>Gibt es in Ihren Augen die eine Ökonomie?</strong></p>
<p>Jede Wissenschaft sucht nach absoluter Gewissheit. Aber der Mensch ist ein zu vielschichtiges Wesen, als dass die Ökonomie ihn fassen könnte. Ich zweifle daran, dass es jemals vollkommene Gewissheit geben wird. Die Philosophen haben in tausenden Jahren keinen Konsens gefunden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Politiker fordern aber diese scheinbar harten Zahlen, um ihre Argumente zu untermauern.</strong></p>
<p>Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter sagte als Erster ganz klar: Wenn man von Politikern gehört werden will, muss man Zahlen anbieten. Das ist ein Ergebnis des Erfolges der Ingenieurwissenschaften. Es ist aber unmöglich, weil es sich um den Menschen handelt. Der ist nie nur Objekt, sondern immer auch Subjekt, ist lernfähig, kann Entscheidungen treffen. Es gibt keine Konstanten im menschlichen Handeln. Genau darauf beruht aber jede naturwissenschaftliche Formel. Ökonomen versuchen, menschliche Konstanten zu finden. Aber das hieße, dass bei bestimmtem Input immer derselbe Output da ist. Das gibt es nicht, menschliches Handeln ist voll von Paradoxa.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Können wir die volkswirtschaftlichen Institute an den Unis also getrost schließen?</strong></p>
<p>Grundsätzlich soll jeder forschen, wie er will. Man sollte aber bedenken, dass die größte Zahl an Ökonomen, die je im Dienst waren, in der Sowjetunion gedient haben. Nicht, weil sie so ökonomisch gewesen wäre, sondern weil man damals am stärksten der Illusion erlegen ist, dass menschliches Handeln errechenbar und steuerbar wäre. Je mehr Ökonomen, desto schlechter für eine Gesellschaft, desto stärker die Illusion der Kontrollfähigkeit. Die Ökonomie war immer nur Hilfswissenschaft. Im Grunde ging es in der alten oikonomia darum, einen Haushalt gut zu führen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Realität der letzten Zeit zeigt das Gegenteil. Die Bedeutung der Ökonomie steigt.</strong></p>
<p>Das ist verblüffend, ja. Direkt nach dem Ausbruch der Krise wurde die Volkswirtschaft infrage gestellt. Aber das Gedächtnis ist kurz. Heute liefern die Experten, die 2007 von der Krise komplett überrascht waren, im Nachhinein anmaßende Interpretationen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gibt es Alternativen?</strong></p>
<p>Es liegt an der Politik, was sie nachfragt. Wenn sie sich hinter Experten verstecken will, dann ist es klar, dass Ökonomen falsche Klarheit liefern. Ich habe nicht viel Vertrauen in Schulvolkswirte. Das sind Pseudoexperten, die sich parasitär an die Naturwissenschaften angehängt haben. Mit allen großen Experimenten haben Ökonomen unglaublichen Schaden angerichtet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Welche meinen Sie?</strong></p>
<p>Am augenscheinlichsten ist der Sozialismus, der ja aus einer ökonomischen Theorie entstanden ist. Aber auch der Merkantilismus war ein ökonomisches Experiment. Erstmals galten Ökonomen dem Staat als nützliche Bedienstete, um den Wohlstand der Nationen zu mehren. Und was ist passiert? Um an Edelmetalle zu kommen, wurde der Kolonialismus legitimiert. Alle Krisen sind Folgen ökonomischer Experimente.</p>
<p><strong>Welches hat uns die heutige Krise beschert?</strong></p>
<p>Die Weiterführung einer Idee aus dem 19. Jahrhundert, nach der Wirtschaftswachstum durch Kredit und Konsum zu befeuern ist. Damals war man der Auffassung, dass freier Zugang zu Krediten eine unglaubliche Wohlstandsexplosion nach sich ziehen würde. Verblüffend ist aber, dass der sogenannte kleine Mann nur wenig Kredite nachfragt, um Industrien aufzubauen, sondern, um zu konsumieren. Das ist keine langfristige Wertschöpfung, sondern ein Aufzehren von Kapital.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Episode aus dem 19. Jahrhundert klingt stark nach dem Anfang des 21. Jahrhunderts.</strong></p>
<p>Ja, weil in der Geschichte vieles wiederkehrt. Aber damals war das eine Volksverbesserungsbewegung mit moralischem Anspruch. Heute ist ein Kredit meist negativ behaftet. Die Vorstellung, dass daraus fantastischer Wohlstand entsteht, gibt es nicht mehr. Aber im Lauf der Zeit haben sich so viele Interessen daran gehängt, dass es fast unmöglich wurde, das zu revidieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Halten Sie Kredit per se für schädlich?</strong></p>
<p>Nein. Aber es ist ein Instrument, vor dem in der Geschichte stets gewarnt wird. Man hatte immer Angst vor der Dynamik, der Schuldenspirale. Es kann sein, dass hier eine menschliche Schwäche angesprochen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der sind offenbar auch Institutionen erlegen. Viele Staaten hängen tief in der Schuldenspirale, vor der immer gewarnt wurde.</strong></p>
<p>Die einzige Institution, die sogar Zinsen mit neuen Schulden bezahlt, ist der Staat. Ein Privater könnte den Zinseszinseffekt nie durchhalten. Das kann nur jemand, der außerhalb der Rechtsordnung steht. Eigentlich müssten fast alle Staaten wegen Konkursverschleppung angezeigt werden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Auf der anderen Seite hat der heutige Kapitalismus eine Welt geschaffen, in der Menschen im Schnitt so reich sind wie nie zuvor.</strong></p>
<p>Nein, wir leben sicher nicht in der besten aller Welten. Entscheidender als der Wohlstand pro Kopf ist die Perspektive der Menschen. Und die war schon besser. Aber auch der reale Wohlstand war schon größer. Ich rede jetzt nicht von den Zahlen der Volkswirte, sondern von greifbaren Dingen. Was brauche ich zum Leben? Wie lange muss ich dafür arbeiten? Wie realistisch ist es, sich irgendetwas ohne Bank und Eltern aufzubauen? Da erleben wir seit geraumer Zeit ein Sinken des realen Wohlstands.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wenn wir den Zahlen der Ökonomen keinen Glauben schenken. Ist es das, woran wir erst erkennen, dass wir in der Krise sind?</strong></p>
<p>Die Krise erkennt man meist erst in der Korrektur. Wenn das Auseinanderdriften zwischen Realität und Fantasie zurückgeht. Wenn klar wird, dass wir uns verschätzt haben. Erst wenn das Haus statt erhoffter 100.000 Euro nur noch um 20.000 verkauft werden kann, ist die Krise in der Geldbörse angekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Steht uns diese Erkenntnis noch bevor?</strong></p>
<p>Ja.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Und wie könnte die aussehen?</strong></p>
<p>Es ist ein Erodieren oder ein Einbrechen der Wohlstandsillusion. Dinge, die als selbstverständlich galten, bröckeln plötzlich weg. Das können etwa staatliche Leistungen sein. Aber auch die scheinbare Sicherheit eines Bankkontos, wie wir in Zypern gesehen haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wenn wir nicht in der besten aller Welten sind, was würde uns dort hinbringen?</strong></p>
<p>Ein Problem ist die Sorge, dass man selbst nichts verändern kann. Eine bessere Welt wäre eine, die weniger Platz für die Neurose bietet, ein ohnmächtiger Getriebener zu sein.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wo orten Sie die Gründe für diese Neurose?</strong></p>
<p>Die künstliche Ausweitung der Kredite hat ein Ausmaß erreicht, das – neben dem Effekt der Weltkriege und der Entwertungen – zur Auslöschung des Mittelstandes und einer historisch niedrigen Selbstständigenquote führt. Die meisten Menschen arbeiten in großen Einheiten oder leben, ohne es zu ahnen, komplett von staatlichen Transfers. Sie haben keinen Kontakt zu Kunden, kommen wegen des Geldes in die Arbeit und verstehen nicht mehr, was sie dort tun. Politisch ist der Grund die fortschreitende Entmündigung der Bürger, die so weit führt, dass man so lang Abstimmungen macht, bis sie „richtig“ ausfallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie lässt sich das ändern?</strong></p>
<p>Die Krise ist eine Chance für kleinere Einheiten, für mehr Selbstständigkeit, Unternehmen, die den Menschen, die daran beteiligt sind, mehr Sinn geben. Das kann Neurosen mindern. Man darf die Reduktion der Arbeitsteilung wegen sinkenden Wohlstands nicht romantisieren. Aber es stimmt natürlich: Wenn die Dinge knapp werden, lerne ich sie mehr zu schätzen. Das ist ein Trost in der Verarmung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Woran werden wir denn merken, dass wir aus der Krise wieder draußen sind?</strong></p>
<p>Etwa dann, wenn der reale Zinssatz den Präferenzen der Menschen entsprechen würde. Dafür müsste man einen typischen Amerikaner fragen, wie viel man ihm bieten müsste, damit er sich das Plasma-TV nicht jetzt, sondern erst in einem Jahr kauft. Da kämen wir wohl auf relativ hohe Zinssätze. Die Krise ist erst dann vorbei, wenn wieder reales Kapital aufgebaut werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Verschleppen wir die Krise? Manipulieren die Zentralbanken die Zinssätze?</strong></p>
<p>Natürlich wird die Krise verschleppt. Bloß mit Manipulation kann man das aber nicht erklären. Zentralbanken sind ein Teil des Systems, weil sie nachgefragt werden und – bei unveränderten Illusionen – immer immer wieder so entstehen würden. Man kann das Wirrwarr, in dem wir leben, leider nicht auf Schlagzeilenniveau auflösen.</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 28.04.2013)</p>
</div>
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		<title>Die Bundesbank verschärft den Ton</title>
		<link>http://www.jilnik.com/2013/04/die-bundesbank-verscharft-den-ton/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Apr 2013 12:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Inflation]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Jens Weidmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, geht mit der EZB hart ins Gericht und warnt vor der „Erpressung“ der Zentralbank durch die Krisenländer. Wien. Würde man die Finanzwelt auf einen Schulhof reduzieren, es gäbe grob drei Gruppen: die Banker und Spekulanten, das wären die coolen Kids, die auch einmal unnötige Risken eingehen. Die Rolle der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, geht mit der EZB hart ins Gericht und warnt vor der „Erpressung“ der Zentralbank durch die Krisenländer.</strong></p>
<div>
<p><strong>Wien.</strong> Würde man die Finanzwelt auf einen Schulhof reduzieren, es gäbe grob drei Gruppen: die Banker und Spekulanten, das wären die coolen Kids, die auch einmal unnötige Risken eingehen. Die Rolle der Regulatoren übernimmt in diesem Bild eindeutig die überarbeitete und unterbezahlte Lehrerschaft. Und die Notenbanker, die Währungshüter – das wären die Nerds, die zu große Brillen tragen und ein bisschen zu viel Skepsis in sich tragen, um ihre „Kindheit“ ungezügelt genießen zu können. Diese Nerds sind es gewohnt, untereinander in Codes zu reden – die außerhalb der Gruppe ohnehin kaum verstanden werden. Sie bedienen sich dabei selten strenger Worte. Aber manchmal sickert etwas durch. So wie jetzt eine 29-seitige Stellungnahme des Bundesbank-Chefs, Jens Weidmann, die via „Handelsblatt“ an die Öffentlichkeit geraten ist. Eigentlicher Adressat des geheimen Papiers: das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Der Inhalt ist beunruhigend: Die Nerds, die unser Geld hüten, zerstreiten sich immer mehr.</p>
<p><span id="more-1515"></span></p>
<p>Die Deutsche Bundesbank nimmt dabei die Rolle des Mahners ein. Nicht erst seit gestern, schon zwei deutsche EZB-Notenbanker (Jürgen Stark und Axel Weber) sind aus Protest gegen die allzu lockere Geldpolitik der EZB von ihren Posten zurückgetreten. Die Käufe von Staatsanleihen durch eine Zentralbank widersprechen der Hartwährungsphilosophie der Bundesbank – und verzerren die Anreizstrukturen für Regierungen. Anders gesagt: Wenn griechische Anleihen mit „frisch gedrucktem“ Geld der EZB gekauft werden, wozu sollte Athen dann den unangenehmen, aber notwendigen Sparkurs weitergehen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>„Erpressungspotenzial“</h2>
<p>Jens Weidmann befürchtet offenbar, dass ausgerechnet der unbedingte Wille der EZB, den Euro zu retten, zum Problem werden könnte. Die „im Raum stehende unbedingte Garantie des Fortbestehens der Eurozone in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung“ bedeute „in letzter Konsequenz, dass auch eine vom Finanzmarkt unabhängige Finanzierung eines Landes erfolgen kann, um dessen weiteren Verbleib in der Eurozone zu sichern“. Mit einer „vom Finanzmarkt unabhängigen Finanzierung“ ist freilich die direkte Versorgung eines Staates mit frischem Zentralbank-Geld gemeint – eine Vorgehensweise, die der EZB explizit verboten ist. Und zwar auch, weil Deutschland bei der Gründung des Euro darauf bestand.</p>
<p>Die bisher angekauften Staatsanleihen im Volumen von rund 200 Mrd. Euro waren schon Grund genug für Proteste der Bundesbank. Die von EZB-Chef Mario Draghi in Aussicht gestellten „notfalls unbegrenzten“ Anleihenkäufe haben aber das Fass zum Überlaufen gebracht. Allerdings: Noch hat die EZB keine neuen Staatsanleihen mit frischen Euros gekauft. Noch reicht Draghis Ankündigung zur Beruhigung der Märkte. Italien kann sich derzeit sogar äußerst günstig refinanzieren.</p>
<p>Weidmann ortet trotzdem ein „besonderes Erpressungspotenzial gegenüber dem Eurosystem“, weil Regierungen der EZB sinngemäß sagen könnten: Gebt uns Geld, oder wir steigen aus. Etwaige weitere Anleihenkäufe durch die EZB wären zwar an die Auflagen des ESM gebunden, aber Weidmann bezweifelt, dass die EZB den Geldhahn abdrehen könnte, sollten Reformen ins Stocken geraten.</p>
<p>Die Unabhängigkeit der EZB und ihrer Geldpolitik sei gefährdet, so Weidmann. Vorschläge, wie man es besser machen könne, finden sich in dem Schreiben des Bundesbank-Chefs aber nicht.</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 27.04.2013)</p>
</div>
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		<title>Goldpreis macht auch Zentralbanken &#8220;ärmer&#8221;</title>
		<link>http://www.jilnik.com/2013/04/goldpreis-macht-auch-zentralbanken-armer/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 17:29:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Gold]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Notenbanken halten 19 Prozent allen Goldes. Der Preisrückgang drückt auf ihre Bilanzen, zumindest auf die der „modernen“ Zentralbanken. Die asiatischen Länder dürften die Gelegenheit zum Nachkauf nutzen. Wien. Nach dem großen Einbruch des Goldpreises am Freitag vergangener Woche sowie am Montag (von 1560 auf 1340 Dollar), stehen auch die internationalen Zentralbanken „ärmer“ da. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Notenbanken halten 19 Prozent allen Goldes. Der Preisrückgang drückt auf ihre Bilanzen, zumindest auf die der „modernen“ Zentralbanken. Die asiatischen Länder dürften die Gelegenheit zum Nachkauf nutzen.</strong></p>
<div>
<p><strong>Wien.</strong> Nach dem großen Einbruch des Goldpreises am Freitag vergangener Woche sowie am Montag (von 1560 auf 1340 Dollar), stehen auch die internationalen Zentralbanken „ärmer“ da. Der Rückgang im Preis des Edelmetalls schmälerte den Wert ihrer Goldreserven um die erkleckliche Summe von rund 560 Mrd. Dollar (426 Mrd. Euro). Die Währungshüter halten genau 31.694,8 Tonnen physisches Gold als Teil ihrer Reserven (siehe Grafik). Laut dem in London ansässigen World Gold Council sind das rund 19 Prozent aller Goldbestände. (Das WGC schätzt, dass rund 171.000 Tonnen Gold existieren.)<span id="more-1509"></span></p>
<p>Der Gesamtwert der Zentralbankreserven ist wegen des sinkenden Goldpreises zuletzt auf 1,4 Billionen Dollar geschrumpft – nach einem Hoch von fast zwei Billionen. Der Goldpreis hatte nach einem zwölfjährigen Bullenmarkt seinen (bisherigen) Höhepunkt im September 2011 bei 1923 Dollar pro Unze erreicht und ist seither um 29Prozent zurückgegangen. Alleine am vergangenen Montag „schrumpfte“ die Marktkapitalisierung des Goldmarktes von 8,3 Billionen auf 7,5 Billionen Dollar.</p>
<h2>Zentralbanken sind auf Käuferseite</h2>
<p>Einer der Gründe für den Preisrückgang waren Berichte, Zypern könnte einen Teil seiner 13,9 Tonnen Gold verkaufen – um rund 400 Mio. Euro für das eigene Rettungspaket aufzustocken. Noch gibt es aber keinen offiziellen Beschluss zu diesem Goldverkauf. Die zyprische Regierung und die Zentralbank streiten offen über das Thema – die Zentralbank sieht ihre Unabhängigkeit bedroht. Finanzminister Haris Georgiades sagte am Mittwoch dennoch, dass er von einem Goldverkauf „in den nächsten Monaten“ ausgeht. Dass der Markt auf diese Meldung nervös reagierte, ist kein Wunder: Zentralbankverkäufe haben in der Vergangenheit negativ auf den Preis gewirkt. Aber seit der Krise 2008 haben sich die Zeiten geändert.</p>
<p>Die Zentralbanken kaufen netto wieder Gold zu – das heißt, sie entziehen dem Markt mehr Gold, als sie ihm zufügen. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem China und Russland – aber auch kleinere Länder wie Sri Lanka, das auch jetzt wieder Zukäufe zu den „günstigen“ Preisen angekündigt hat.</p>
<p>Sollte Zypern rund zehn seiner knapp 14 Tonnen Gold verkaufen, würde dieses Gold nie „auf dem Markt“ landen – sondern am ehesten direkt nach Asien verkauft werden. Und zwar zu einem Preis, der der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben wird. Die europäischen Zentralbanken haben schon 1999 – kurz vor Einführung des Euro – vereinbart, ihre Goldverkäufe und Goldleasing-Geschäfte zu drosseln und später ganz auslaufen zu lassen. Diese „Central Bank Gold Agreements“ beschränken das Gesamtvolumen der jährlichen Verkäufe auf 400 Tonnen europaweit – eine Summe, die zuletzt nicht mehr erreicht wurde.</p>
<p>Der Euroraum verfügt gemeinsam über rund 10.000 Tonnen Gold und damit über die größten Goldreserven überhaupt. Die USA liegen mit 8000 Tonnen auf Platz zwei, Deutschland alleine mit rund 3400 Tonnen auf Platz drei. Österreich besitzt 280 Tonnen – was mehr als die Hälfte der Währungsreserven ausmacht. Die Euro-Problemstaaten Portugal und Griechenland verfügen ebenfalls über relativ große Goldreserven, weshalb das zyprische Beispiel, Gold zur Tilgung von Schulden einzusetzen, Schule machen könnte. Wie bei Zypern würden Goldverkäufe aber zwischen Zentralbanken abgewickelt werden und hätten höchstens eine psychologische Wirkung auf den Goldmarkt an sich. Weiters unklar ist, ob überhaupt echte „Verkäufe“ zu erwarten sind oder die Zentralbanken das Gold lediglich als Pfand für frische Kredite einsetzen.</p>
<p>Der Goldpreis ist für die EZB, das Eurosystem sowie ähnlich „modern“ gestaltete Zentralbanken von akuter Relevanz, weil sie ihre Goldreserven viermal pro Jahr nach Marktwert bewerten. Eine Praxis, die auch von den aufstrebenden Wirtschaftsmächten der BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) sowie der Schweiz, Norwegen, den Nicht-Eurostaaten der EU, Kasachstan, den Philippinen und Australien übernommen wurde – nicht aber von Großbritannien und den USA, die mit dem US-Dollar die Weltreservewährung drucken.</p>
<h2>Euro und BRICS „moderner“ als Dollar</h2>
<p>In der Bilanz der US-Zentralbank Federal Reserve wird Gold seit dem Ende der Goldkonvertibilität des Dollars 1971 mit 42 Dollar pro Unze geführt – dem letzten „offiziellen“ Goldpreis vor dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods vor 42 Jahren. Es ist unbekannt, ob und wann die Fed diesen Umstand ändern will und sich dem „neuen“ System anschließt.</p>
<p>Das World Gold Council geht davon aus, dass die Kauftätigkeit der Zentralbanken weiter zunehmen wird. „Das ist – aus der richtigen Perspektive betrachtet – die Rückkehr zum Normalzustand“, sagte George Milling-Stanley, Ex-Direktor für Government Affairs vor zwei Jahren dem internen Journal der Zentralbanken. Denn: Im Jahr 1845 gab es gerade einmal zwei Notenbanken mit Goldreserven: die Bank of England und die Bank of France. Die hielten damals gemeinsam 85 Tonnen. Im Jahr 1968 hielten 120 Zentralbanken gemeinsam fast 40.000 Tonnen Gold.</p>
<p>Dann folgten 20 Jahre Hin und Her und 20 Jahre, in denen die Zentralbanken Verkäufer waren. Nach 2008 drehte sich die Lage, und die Zentralbanken kaufen wieder zu. Allen voran China, das nur einen winzigen Bruchteil seiner Reserven in Gold hält – aber unbedingt aufstocken will. Das Land ist zwar inzwischen der größte Goldproduzent der Welt – aber keine Unze verlässt das Land –, und die Regierung hat ein Vorkaufsrecht auf die Minenproduktion. Zusätzlich wird via Hongkong noch Gold importiert.</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 18.04.2013)</p>
</div>
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		<title>Nach Gold-Crash: Nachfrage nach Münzen und Barren zieht weiter an</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 17:28:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gold]]></category>
		<category><![CDATA[Silber]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Goldpreis sinkt und bei den Goldhändlern in Österreich und Deutschland ist &#8220;die Hölle&#8221; los. Aber verkaufen will kaum jemand. Sehen wir die langsame Abkoppelung des physischen Goldmarktes vom Derivatehandel? Wien. Während Spekulanten und ihre Computerprogramme bei Papiergold-Derivaten auf „Verkaufen“ drücken – nutzt die Bevölkerung in Österreich, Deutschland und Asien die gesunkenen Preise, um physisches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Goldpreis sinkt und bei den Goldhändlern in Österreich und Deutschland ist &#8220;die Hölle&#8221; los. Aber verkaufen will kaum jemand. Sehen wir die langsame Abkoppelung des physischen Goldmarktes vom Derivatehandel?</strong></p>
<div>
<p><strong>Wien.</strong> Während Spekulanten und ihre Computerprogramme bei Papiergold-Derivaten auf „Verkaufen“ drücken – nutzt die Bevölkerung in Österreich, Deutschland und Asien die gesunkenen Preise, um physisches Gold nachzukaufen. „Es ist die Hölle los“, sagt Rudolf Brenner vom Edelmetallhändler Philoro, der Shops in Wien, Salzburg und Leipzig betreibt. Man verzeichne den fünffachen Umsatz normaler Tage. „Auf der physischen Seite sehen wir derzeit einen extremen Nachfrageüberhang – alle kaufen zu“, so Brenner.<span id="more-1507"></span></p>
<p>Ähnliches berichtet Robert Hartmann, Geschäftsführer des großen deutschen Edelmetallhauses Pro Aurum. Das Verhältnis zwischen Goldkäufern und -verkäufern liege bei neun zu eins. „Man möchte ja vermuten, dass die Leute in Panik ausbrechen. Dem ist aber nicht so, die Kunden reagieren besonnen. Die Nachfrage ist dominant.“ Pro Aurum ist der größte Kunde der Münze Österreich in Europa, der in Wien geprägte Philharmoniker die einzige Gold-Anlagemünze Europas mit internationaler Bedeutung. Die deutschen Privathaushalte gehören zu den größten Goldkäufern weltweit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>„Ist der Preis falsch?“</h2>
<p>Pro Aurum verzeichnet Bestellziffern wie zur Krise 2008 oder während der „Griechenlandwochen 2010“. Das aktuelle Szenario ist mit 2008 am ehesten vergleichbar: Der offizielle Goldpreis sinkt, während die Nachfrage nach physischem Metall steigt. Einzig: Jetzt gibt es keine Krise, oder? Klar scheint zu diesem Zeitpunkt nur: „Der Crash findet nur beim Papiergold statt, nicht auf dem physischen Markt“, so Ronald Stöferle, Autor des Goldreports der Erste Bank.</p>
<p>„Der Markt scheint sich zu positionieren und eine Linie zu ziehen: Papier- gegen physischen Markt“, sagt auch Hartmann. „Im Moment diktiert das Papier. Aber wenn diese Nachfrage anhält, wird es zu Engpässen kommen. Wenn der Preis fällt, aber die Regale leer sind, dann stellt sich mir die Frage: Ist der Preis falsch?“</p>
<p>Auch Christian Lechner, Chef des Wiener Händlers VG-Edelmetalle, sagt: „Der Papiergoldmarkt wird langfristig ein Riesenproblem haben. Ich warte auf den Moment, an dem der Erste sagt: ,Ich brauche das Metall!‘“ Niemand weiß, wie „Papiergold“ täglich auf den Derivativmärkten gehandelt wird. Sicher ist: Es ist mehr, als physisches Gold vorhanden ist. Für Spekulanten und Trader ist das kein Problem: Ihnen geht es um den Profit, um Dollar und Euro. Weil aber mehr Gold gehandelt wird, als überhaupt existiert, kann es zu Engpässen kommen – und in der Folge zu Abverkäufen an den Papiermärkten, während die physische Nachfrage anzieht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Gold geht nach Asien</h2>
<p>Ob dies der Fall ist, lässt sich schwer sagen. Es gibt aber Indizien: Südafrika nimmt keine Bestellungen für Krügerrand-Münzen mehr entgegen, weil die Produktion ausgelastet ist. Auch die australische Perth Mint meldet „explodierende“ Goldmünzenverkäufe. Und der Goldfonds GLD verzeichnet große Abflüsse von physischem Gold. Die Frage ist nur: wohin? „Laut uns vorliegenden Informationen haben vor allem asiatische Adressen Anteile an ETFs verkauft und dagegen physische Ware erworben. Laut Aussagen von Schweizer Barrenproduzenten gehen rund zwei Drittel der aktuellen Barrenproduktion nach Asien“, sagt Pro-Aurum-Chef Hartmann.</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 16.04.2013)</p>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.jilnik.com%2F2013%2F04%2Fnach-gold-crash-nachfrage-nach-munzen-und-barren-zieht-weiter-an%2F&amp;title=Nach%20Gold-Crash%3A%20Nachfrage%20nach%20M%C3%BCnzen%20und%20Barren%20zieht%20weiter%20an" id="wpa2a_16"><img src="http://www.jilnik.com/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Tom G. Palmer: &#8220;Die jungen Menschen werden beraubt&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 17:32:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[All]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Tom G. Palmer]]></category>

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		<description><![CDATA[Der liberale US-Politologe Tom G. Palmer hat Ende der 1980er-Jahre Bücher von Wien in den Osten geschmuggelt. Heute warnt er vor einem Kollaps der westlichen Wohlfahrtsstaaten. Junge Menschen sollten die Möglichkeit haben, aus dem System auszusteigen. Haben Sie das Ende des Kalten Krieges in Wien miterlebt? Tom Palmer: Ja, in den Jahren 1989 und 1990 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der liberale US-Politologe Tom G. Palmer hat Ende der 1980er-Jahre Bücher von Wien in den Osten geschmuggelt. Heute warnt er vor einem Kollaps der westlichen Wohlfahrtsstaaten. Junge Menschen sollten die Möglichkeit haben, aus dem System auszusteigen.</strong></p>
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<p><strong>Haben Sie das Ende des Kalten Krieges in Wien miterlebt?</strong></p>
<p><strong>Tom Palmer: </strong>Ja, in den Jahren 1989 und 1990 habe ich in Wien gelebt, aber ich war vorher schon öfter da. In den späten 1980ern hatte ich das Gefühl, dass der Kommunismus erledigt ist. Damals war das nicht so klar, wie es im Nachhinein aussieht. Die Frage war aber: Was kommt danach? Es ist ja nicht selbstverständlich, dass nach einem tyrannischen Regime etwas Besseres kommt. Also bin ich nach Wien gezogen und habe zu schmuggeln angefangen.</p>
<p><strong>Schmuggeln?</strong></p>
<p>Ich hoffe, ich kann das inzwischen offen sagen (lacht). Ja, ich habe damals Bücher, Kopier- und Faxmaschinen in die kommunistischen Länder geschmuggelt. Nach Tschechien, Ungarn, in die Sowjetunion und so weiter. Dort gab es damals wenig.<span id="more-1512"></span></p>
<p><strong>Welche Bücher?</strong></p>
<p>Friedman, Hayek, von Mises und so weiter – und dann bin ich oft auch in die andere Richtung. In Prag habe ich eine von nur sechs existierenden Kopien von Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“ auf Tschechisch ergattert. Mit dieser bin ich zurück nach Wien und habe hundert neue anfertigen lassen.</p>
<p><strong>Das klingt nach einer gefährlichen Idee.</strong></p>
<p>Ich wurde ein paar Mal verhaftet. Aber ich hatte schon in Österreich gelernt, alle meine Dokumente immer bei mir zu tragen. Speziell, wenn ein roter Stempel drin war. Einmal bin ich mit 5000 Seiten Papier und zwei Kopiermaschinen in die Sowjetunion. Aber auch leeres Papier war verboten! Es hätte ja irgendjemand irgendetwas Unerlaubtes draufschreiben können. Nach einer ewigen Debatte haben sie mich ziehen lassen. Man darf nicht aufgeben.</p>
<p><strong>Und das haben Sie alles auf eigene Faust gemacht? Ohne Hilfe der US-Regierung oder der CIA?</strong></p>
<p>Ich habe dafür nie einen Cent von der Regierung genommen. Ich wurde von einer Reihe liberaler Institute unterstützt, in Wien war es das Carl-Menger-Institut. Nach der Wende haben wir auch Professoren eingeflogen und Wirtschaft sowie Jus unterrichten lassen. Jeder im Osten wusste damals schon, dass Marxismus Unsinn ist und die Welt nicht erklären kann. Aber sie hatten keine Bücher oder sonst etwas.</p>
<p><strong>Irgendwie bezweifle ich noch immer, dass Sie das aus reiner Nächstenliebe gemacht haben, wie Sie behaupten.</strong></p>
<p>Eigenverantwortung und Individualität werden oft mit Liberalismus in Verbindung gebracht. Solidarität klingt nach Sozialismus und Kommunismus. Dabei ist Solidarität ein liberaler Wert! Vielleicht nicht der wichtigste, aber wichtig.</p>
<p><strong>Würden Sie sagen, dass Solidarität überhaupt ein Wert im Sozialismus ist?</strong></p>
<p>Nein. In der Realität hat sich der Sozialismus als höchst räuberisch herausgestellt. Man steigt den Menschen unter sich auf die Finger. Die Propaganda sprach immer von Solidarität. In Wahrheit hat der Sozialismus aber nur Korruption, Misswirtschaft und Bonzentum erzeugt. Durch den Staat erzwungene Solidarität ist keine Solidarität.</p>
<p><strong>In Österreich sind wir sehr stolz auf unseren umfassenden Sozialstaat.</strong></p>
<p>Auch die Österreicher sollten nach Griechenland schauen. Da sehen sie, was passiert, wenn man sich nicht in einer seriösen und erwachsenen Art um die Staatsfinanzen kümmert. Der Staat hat sich dramatisch ausgedehnt. Das größte Problem sind die zukünftigen Verpflichtungen in der Wohlfahrt. Die Ressourcen dafür sind nicht da. Das ist keine Theorie. Das ist Tatsache und einfache Arithmetik. Wenn man sich die Finanzen vieler europäischer Staaten ansieht, wird man feststellen: Viele Versprechen können nicht eingehalten werden. Und die Konsequenzen dessen könnten dramatisch sein.</p>
<p><strong>Sprechen Sie hier die Bürger oder die Regierungen an?</strong></p>
<p>Das ist in erster Linie ein Problem der Regierungen. Aber natürlich glaube ich, dass die Menschen mehr sparen und für die Zukunft etwas beiseitelegen sollten. Aber die Regierungen müssen anfangen, die Ausgaben zu kürzen. Und damit meine ich nicht, nur das Ausgabenwachstum zu drosseln, wie es jetzt geschieht – unter dem falschen Etikett „Austerity“. Es gibt dafür Vorbilder. Kanada zum Beispiel: Sie hatten die Krise schon in den 1990ern. Sie haben festgestellt, dass sie die großen Sozialprogramme nicht mehr finanzieren können. Die Mitte-links-Parteien sind das dann angegangen, sie haben systematisch Staatsausgaben gekürzt und sogar einen Teil der Staatsschulden zurückgezahlt, während der Rest der Welt immer mehr Schulden gemacht hat. Die USA haben das Gegenteil gemacht.</p>
<p><strong>In Europa herrscht vielerorts die Auffassung, es gäbe in Amerika gar keinen Wohlfahrtsstaat.</strong></p>
<p>Das ist absolut falsch. Es existiert ein riesiger Wohlfahrtsstaat in Amerika. Es gibt ein paar Unterschiede zu Europa: Amerikaner haben mehr Kontrolle über ihr Geld im Gesundheitssystem. Aber derzeit sind 50 Prozent der Gesundheitsausgaben Staatsausgaben. Und die Quote steigt. Die Versicherungsindustrie ist stark reguliert, was es teurer macht. Medicare (staatliche Krankenversicherung für Ältere, Anm.)ist das Programm für Menschen über 65 Jahre, die da praktisch hineingezwungen werden. Es ist fast unmöglich, private Versorgung außerhalb des Medicare-Systems zu bekommen, wenn man über 65 ist. Wenn sie „Ich will Medicare nicht“ sagen, was ja eigentlich die Regierung entlasten sollte, werden sie bestraft, indem ihre private Versicherung mit 100 Prozent besteuert wird. Stellen Sie sich das vor! Eine Strafe dafür, dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen.</p>
<p><strong>Sie sagen, der Wohlfahrtsstaat ist ineffizient, unfair und bankrott?</strong></p>
<p>Ich glaube nicht, dass die Unterstützer des Systems böse Absichten haben. Aber ja, das System ist ungerecht und unfair. Vor allem gegenüber jungen Leuten. Die Transfers zwischen den Generationen in Wohlfahrtsstaaten rund um die Welt sind schlicht grotesk. Die jungen Leute werden beraubt. Das ist unfair, und es wird nicht funktionieren. Und da geht es nicht nur um Pensionen.</p>
<p><strong>Aber was ist die Alternative?</strong></p>
<p>Es gibt viele, die sich auch in der Vergangenheit bewiesen haben. Ein Beispiel sind die „friendly societies“, die Arbeitervereine, die bis ins frühe 20.Jahrhundert eine sehr wichtige Rolle in Europa und Nordamerika gespielt haben. Seitdem sind sie größtenteils verschwunden. In Großbritannien gab es hunderte davon, die Millionen von Mitglieder hatten und sich gegenseitig soziale Wohlfahrt geboten haben. In Deutschland waren es die Schützenvereine, sie hatten sehr wichtige soziale Aufgaben. Wenn man heute eine Schützenparade in Düsseldorf sieht – die Schützen lieben Paraden –, dann gehen am Ende immer Männer in Schwarz. Vor dem Wohlfahrtsstaat waren diese Schützen dafür zuständig, jeden Verstorbenen ohne Geld oder Familie mit Würde zu bestatten. Diese Vereine wuchsen im 19. Jahrhundert sehr stark.</p>
<p><strong>Gibt es diese Vereine heute noch?</strong></p>
<p>Die allermeisten wurden vom Staat verdrängt. Es gibt eine Institution, die noch immer existiert und einen sehr guten Job macht. Aber sie ist großteils unsichtbar: die Anonymen Alkoholiker. Dort helfen sich Alkoholiker gegenseitig. Das ist Solidarität. Ein Nichtalkoholiker kann einem Alkoholiker kaum helfen, er versteht das Problem einfach nicht. In den meisten Städten kann man jeden Abend ein Meeting der Anonymen Alkoholiker besuchen. Diese Organisation ist nicht staatlich und global, aber eben auch unsichtbar für die meisten Menschen. Autoritäre Regime unterdrücken die Anonymen Alkoholiker. In China und Russland sind sie verboten, weil sie als Bedrohung für den Staat gesehen werden.</p>
<p><strong>In Österreich ist der Sozialstaat sakrosankt. Wer ihn kritisiert, wird als „Menschenhasser“ abgestempelt. Woher kommt das?</strong></p>
<p>Weil gute Absichten stark überbewertet und die echten Resultate ignoriert werden. Ich glaube schon, dass Absichten eine Rolle spielen. Aber keine große. Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Der Wohlfahrtsstaat ist ein perverses System, in dem jeder dazu angehalten wird, mehr zu verlangen, als er einzahlt.</p>
<p><strong>Was glauben Sie, wird passieren?</strong></p>
<p>Ich glaube, die Zukunft ist offen. Es wird vom Mut der Politiker abhängen, schwere Entscheidungen zu treffen. Wenn diese Entscheidungen verschoben werden, wird das Problem größer. Wenn sie zu lange verschoben werden, besteht die Gefahr eines echten Systemkollapses.</p>
<p><strong>Gibt es auch eine positive Perspektive?</strong></p>
<p>Die andere Variante wäre, eine erwachsene Konversation über diese Probleme zu führen. In manchen europäischen Ländern findet sie statt. In Estland zum Beispiel, das einen schweren Kollaps in der Krise erlebt hat. Schweden ist ein anderes Beispiel. Ich glaube nicht, dass es zu spät ist, die Probleme anzugehen. Man muss den jungen Menschen eine Möglichkeit geben, aus dem Pyramidenspiel Wohlfahrtsstaat auszusteigen. Was diese Leute für ihre Zukunft sparen, soll auch ihnen gehören – dafür gibt es keine staatliche Pension. Die aktuellen Pensionen müssen aber weiter bezahlt werden. Das heißt, dass die staatliche Geldverschwendung aufhören muss und es zu weiteren Privatisierungen kommen muss. Zum Beispiel bei der Eisenbahn – damit man die Pensionen zahlen kann.</p>
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<div>TOM G. PALMER</div>
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<p><strong>Tom G. Palmer </strong>(Jahrgang 1956) ist Senior Fellow beim libertären Thinktank „Cato Institute“ und Direktor der Cato University in Washington, D. C.</p>
<p><strong>Als Vizepräsident </strong>des „Institute for Humane Studies“ der George Mason University war er in den 1980er- und 1990er-Jahren in Europa, um von Wien aus klassisch liberale Ideen in Osteuropa (wo der Marxismus herrschte) salonfähig zu machen. Er hielt Vorträge und schmuggelte Bücher.</p>
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<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 14.04.2013)</p>
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		<title>Japan steigt in den &#8220;Währungskrieg&#8221; ein</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 14:06:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JilNik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Kuroda]]></category>

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		<description><![CDATA[Japan will gewaltsam Inflation erzeugen. Einzig: Die USA und England sind hier um Jahre voraus &#8211; die EZB versucht bereits den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Und China stellt sich gegen Japans Kurs. Wien. Wenn „Männer fürs Grobe“ in den Chefsessel einer Notenbank gehoben werden, ist die Lage meist prekär. Und dass Haruhiko Kuroda – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Japan will gewaltsam Inflation erzeugen. Einzig: Die USA und England sind hier um Jahre voraus &#8211; die EZB versucht bereits den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Und China stellt sich gegen Japans Kurs.</strong></p>
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<p><strong>Wien.</strong> Wenn „Männer fürs Grobe“ in den Chefsessel einer Notenbank gehoben werden, ist die Lage meist prekär. Und dass Haruhiko Kuroda – Japans neuer Zentralbankchef – so ein „Mann fürs Grobe“ ist, daran besteht kein Zweifel. Zum Amtsantritt gab der Wunschkandidat der Regierung die Marschrichtung unmissverständlich bekannt: In Japan soll es bergauf gehen – mit Geldmenge und Inflation. Und zwar um das Doppelte. Binnen eines Jahres (siehe Artikel unten).</p>
<div><span id="more-1504"></span></div>
<p>Einzig: Japan ist ein wenig spät dran mit seinem Einstieg in das, was der brasilianische Finanzminister Guido Mantega schon vor Jahren einen „Währungskrieg“ getauft hat. Großbritannien, die USA und – überraschenderweise – die Schweiz sind schon um einiges weiter. Eurozone und EZB wiederum üben derweil den Ausstieg.</p>
<h2>Die Fed geht voran</h2>
<p>Der Brasilianische Finanzminister beschwert sich nicht grundlos über den „Währungskrieg“. Vor allem die schwer verschuldeten Westländer versuchen seit 2008, durch massive Gelddruckprogramme der Deflation durch Kreditabbau (Delaveraging) entgegenzuwirken – und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Viel dieses „frischen“ Geldes schwappt allerdings in die aufstrebenden Länder wie Brasilien – und sorgt dort (trotz relativ hoher Zinsen) für Inflation.</p>
<p>Hinter dem Gelddrucken steckt ein simples Kalkül: Inflation führt zu schwacher Währung führt zu Exportvorteilen und leichter zu begleichenden Staatsschulden. Aber: Diese Strategie ist sehr umstritten, ihre Erfolge bisher gering – ihre Gefahren aber enorm. Die großen Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren ihre Bilanzsummen durch das „Drucken“ von Geld heftig aufgebläht (siehe Grafik). Das Problem: In einer gesunden Marktwirtschaft kauft eine Zentralbank keine Schuldtitel des eigenen Landes. Denn die ultimativen Papiergeldkatastrophen (Hyperinflationen) waren meist auf die „Staatsfinanzierung durch die Notenpresse“ zurückzuführen. Der Europäischen Zentralbank ist dies sogar explizit verboten – die US-Zentralbank Fed wiederum hat auch die Aufgabe, die Arbeitslosenquote zu drücken. Und dieses schwammige Mandat rechtfertigt so ziemlich jede „geldpolitische Maßnahme“. Nach fünf Jahren Krise ergibt sich folgendes Bild:</p>
<p>Die Federal Reserve geht unter ihrem Chef Ben Bernanke und mit ihrer Technik des „Quantitative Easing“ voran. Ihre Bilanz hat sich zwar relativ zu 2008 weniger stark ausgeweitet als manche andere. Schon 2011 hat die Fed aber mehr als 60 Prozent der frischen US-Staatsschulden „gedruckt“. Heuer könnten es mehr als 90 Prozent werden. Das führt zu einer künstlichen Knappheit von US-Schuldtiteln auf dem Markt und einer potenziell massiv verzerrten Marktstruktur. Gerüchte, wonach die Fed urplötzlich die Zinsen anheben und das „Gelddrucken“ einstellen könnte, kann man ins Land der Märchen verbannen: Die Wirtschaft würde kollabieren.</p>
<h2>Positive Zeichen für den Euro</h2>
<p>Ein wenig anders die Lage in Europa: Mario Draghi hat zwar angekündigt, „alles“ tun zu wollen, um den Euro zu retten. Zu neuen Staatsanleihenkäufen ist es zuletzt aber nicht gekommen. Das Ergebnis: Die EZB-Bilanz beginnt zu schrumpfen. Ob dieser Trend nachhaltig ist, bleibt aber abzuwarten. Außerdem hat die Schweizerische Nationalbank den Franken durch die „Untergrenze“ von 1,20 effektiv an den Euro gebunden – und zur Verteidigung dieser Grenze die Franken-Geldmenge (und die Notenbank-Bilanz) stark ausgeweitet.</p>
<p>Aber auch aus der Schweiz kamen zuletzt Euro-positive Nachrichten. Die SNB konnte wieder Euro abstoßen, der Markt hat diese absorbiert. Trotzdem: Der Anstieg der Notenbank-Bilanz relativ zu 2008 ist alarmierend.</p>
<p>Ähnliches in London. Die Bilanz der Bank of England ist seit 2008 um mehr als das Dreifache angeschwollen – ein Ausstiegsszenario ist bisher aber nicht in Sicht.</p>
<p>Und Japan? Die aggressive neue Geldpolitik ist darauf ausgelegt, schnell aufzuholen. Was aber, wenn sie nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, wenn die Probleme nur „exportiert“ werden? Was kann Japan dann noch machen – außer noch mehr Geld zu „drucken“? Und wie reagiert der mächtige Nachbar China? Der Chef des gigantischen chinesischen Staatsfonds, Gao Xiqing, schießt jetzt schon eine ziemlich deutliche Warnung Richtung Tokio: „Seine Nachbarn als Mülleimer zu nutzen und einen Währungskrieg zu starten, ist gefährlich.“</p>
<p>(&#8220;Die Presse&#8221;, Print-Ausgabe, 09.04.2013)</p>
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